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Biotop-Bäume

Definition und Mikrohabitate

Biotopbäume sind meist ältere Bäume. Diese bieten Lebensraum für viele unterschiedliche Arten. Biotopbäume kommen nicht nur im Wald vor, sondern überall, wo Bäume wachsen können. Ihr Merkmal ist, dass sie eine Vielzahl von Kleinstlebensräumen, sog. Baummikrohabitate aufweisen (Bsp: Abb.7). Die Baummikrohabitat-Typologie nach Larrieu et al. (2018) unterscheidet 47 Formen: verschiedene Arten von Höhlungen, Stammverletzungen, freiliegendes Holz, Kronen- und Asttotholz, Wucherungen, feste und schleimige Pilzfruchtkörper, Pflanzen, wie z.B. Efeu, Misteln, Flechten, Moose, Vogelnester, Kleinsäugern, Insekten, Mikroböden, Saft- und Harzflüsse.

 

Lebensraum Mikrohabitat

In und auf Biotopbäumen leben teils seltene, z.T. vom Aussterben bedrohte (Rote Liste) Tier-, Pflanzen-, Flechten und Pilzarten. Ein Viertel aller Waldarten leben von Alt- und Totholz. Das sind in der Schweiz u.a. 1700 Käferarten und 2700 Pilze, 16 Vogel- und 3 Fledermausarten (WSL Merkblatt für die Praxis 52). Es gibt spezielle Insekten, Pilze, Bakterien und Kleinstlebewesen, die z.B. nur auf Obstbäumen, Pappeln oder Birken vorkommen, Bäume, die in oder in unmittelbarer Nähe eines Siedlungsraums stehen können. Viele bilden eine Symbiose mit einer spezifischen Baumart. Sie können deshalb nicht auf einen beliebig anderen Baum ausweichen. Auch ihr Aktionsradius ist z.T. sehr klein, so dass einige darauf angewiesen sind, dass in unmittelbarer Nähe der nächste Biotopbaum steht. Mit zunehmender Verarmung der Artenvielfalt und dem Rückgang der Biodiversität werden Biotopbäume in und um den Siedlungsraum immer wichtiger.

 

Schutz

In der Forstwirtschaft werden die Biotopbäume schon seit längerer Zeit geschützt, weil man ihre Wichtigkeit für den Erhalt der Biodiversität erkannt hat. (WaG Art. 20 Abs. 4; BAFU 2021 Waldpolitik: Ziele und Massnahmen 2021-2024; WSL Merkblatt für die Praxis 64). Für das Biodiversitätskonzept wurden ökologisch wertvolle Biotopbäume mittels Feldbegehung erfasst. Dabei wurden auch sogenannte Vernetzungsbäume aufgenommen. Das sind meist einzelne, hohe Bäume, die den Siedlungsraum an sich und mit dem Wald vernetzen. Sie sind somit besonders wichtig für den Insekten-, Vogel- und Fledermausschutz. Viele der aufgenommenen Biotopbäume stehen in alten Hochstammobstgärten. Diese sollten möglichst erhalten bleiben. Ebenso weisen ortsbildprägende Bäume meist Baummikrohabitate auf, weil diese Bäume alt und gross sind. Diese Bäume sind geschützt (BauR Art. 21).

 

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